Heute gehört die geschmückte Tanne wie selbstverständlich zur Weihnachtszeit. Doch was hat es mit dem Brauch um den immergrünen Baum auf sich? Was ist der Ursprung, die Geschichte und der kulturelle Hintergrund des Weihnachtsbaumes?

Es gibt wohl kein zweites Symbol, das derart für das Weihnachtsfest steht, wie der Weihnachts- oder Christbaum. Dabei ist der Brauch, sich eine Tanne in die Wohnung zu stellen und sie anfangs mit Früchten und später mit Holzschnitzereien, Spielzeug, Kugeln, Kerzen oder Lametta zu behängen, relativ jung. Auf Kirch- oder Marktplätzen wurden Tannenbäume ab Mitte des 16. Jahrhundert aufgestellt, in die privaten Wohnzimmer fanden sie nach und nach ab dem 18. Jahrhundert.

Geschmückte Zweige, meist von Stechpalmen und Buchsbäumen, hing man schon ab dem Spätmittelalter auch in Bürgerwohnungen und Handwerkshäusern zum Weihnachtsfest an den Wänden auf. Der große Weihnachtsbaum galt zunächst als protestantischer Brauch, während bei den Katholiken noch für lange Zeit allein die Krippe zum Weihnachtsfest aufgebaut und von geschmückten Zweigen umrahmt wurde. Aus diesem Grund rivalisieren auch zwei evangelisch geprägte Regionen Europas um die Ehre, den ersten Weihnachtsbaum aufgestellt zu haben: Das Baltikum und der alemannische Raum zwischen Schwarzwald und Elsass. Viele Menschen betrachteten seitdem den Christbaum als ein Symbol ihres Bekenntnisses zum neuen Glauben. 

Hinweise auf eine vorchristliche Symbolik

Wie bei anderen christlichen Traditionen auch dürften die Ursprünge des Weihnachtsbaumes noch viel weiter in die Geschichte zurückreichen. Denn Historiker und Volkskundler erkennen in ihm uralte vorchristlich-heidnische Vorstellungen, die dann im Spätmittelalter mit christlichen Vorstellungen kombiniert wurden. Es gibt Hinweise darauf, dass zum Beispiel in den baltischen Ländern noch vor der Christianisierung Nadelbäume mit verschiedenen Objekten behangen wurden. Zur Zeit der Wintersonnenwende holte man sich damit das sogenannte Wintermaien ins Haus. Die grünen Zweige galten als ein Zeichen für das Leben und bedeuteten Schutz und Fruchtbarkeit. Die Kerze wiederum sollte den Verstorbenen helfen, in den Mittwinternächten den Weg zurück nach Hause zu finden. Früchte bedeuteten Fruchtbarkeit. Da der Apfel in Nordeuropa eine bis in den Winter hinein haltbare Frucht ist, wurde er bevorzugt als Baumschmuck verwendet.

Im 15. Jahrhundert kam es dann zu einem Verschmelzen dieser heidnischen Symbole mit christlichen Glaubenszeichen. Fruchtbarkeit und Hoffnung waren auch zentrale Elemente des christlichen Glaubens: Die Geburt Christi symbolisiert den Beginn eines neuen Lebenszyklus und gleichzeitig die Hoffnung auf Erlösung durch den Retter Jesu. Äpfel und andere Früchte sollten an die Versuchung Evas und die Vertreibung aus dem Paradies („Paradiesapfel“) erinnern – und vor diesem Sündenfall warnen.

Vom Südwesten aus erobert „der Baum“ das Land

Baltische Historiker reklamieren für ihre Heimat auch die ersten christlichen Weihnachtsbäume. Ob dies stimmt, ist aber bis heute nicht zweifelsfrei erwiesen. Somit gilt Mitteleuropa, insbesondere der deutsche Südwesten und das Elsass, immer noch als Ursprungsregion dieses später weltweiten Brauchs. Für das Jahr 1419 wird in Freiburg im Breisgau ein geschmückter Baum der örtlichen Bäckerzunft erwähnt, der auch schon mit Lebkuchen, Äpfeln, Früchten und Nüssen geschmückt gewesen sein soll. Allerdings ist bei diesem Baum nicht klar, ob er in irgendeiner Weise Bezug zu Weihnachten gehabt hatte.

Spätestens ab 1535 aber wurde in Straßburg bereits mit Bäumen zum Weihnachtsfest gehandelt. 1570 erreichte der Brauch Norddeutschland: Bremer Handwerker stellten in ihren Zunfthäusern mit Äpfeln, Nüssen und Datteln behangene Bäume zu Weihnachten auf. Da Kinder die Leckereien aus dem Baum stibitzen und essen durften, wird hier zugleich die Verbindung von Weihnachtsbaum und Weihnachtsgeschenken fassbar. Ab dem frühen 18. Jahrhundert wurden die Bäume dann erstmals mit Kerzen geschmückt.

Der Weihnachtsbaum wird zum „Globalisierungsgewinner“

Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts blieb der Weihnachtsbaum aber ein städtischer und protestantischer Brauch. Erst dann breitete sich die Tradition auch auf dem Land aus und stellten die ersten katholischen Familien Tannenbäume als Weihnachtsbaum in der „guten Stube“ auf. Danach gab es kein Halten mehr: Schnell wurde der Weihnachtbaum zum deutschen Brauchtum schlechthin. Egal ob evangelisch oder katholisch – der natürliche Baum entwickelte sich zum unverzichtbaren Bestandteil des Weihnachtfests.

1847 wurden die ersten Christbaumkugeln in Thüringen produziert, die Innovation breitete sich innerhalb weniger Jahre über das ganze Land aus. Schon um die Mitte des 19. Jahrhundert übernahmen zunächst europäische Adelsfamilien und das gehobene Bürgertum den deutschen Brauch auch in ihren Ländern, vor allem in Frankreich, Großbritannien sowie in Nord- und Osteuropa. Auswanderer und deutsche Soldaten, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpften, machten ihn im Laufe des 19. Jahrhunderts dann auch in der Neuen Welt bekannt. 1891 wurde der deutsche Brauch schließlich ganz offiziell „amerikanisch“: In diesem Jahr erfreute erstmals ein Weihnachtsbaum vor dem Weißen Haus in Washington die Augen des damaligen Präsidenten Benjamin Harrison. Seitdem ist der Weihnachtbaum endgültig ein globales Phänomen und steht wie kein anderes Objekt weltweit für eine glückliche, harmonische Weihnachtszeit.