Die Idee kam aus Dänemark: Dort nutzte die Stadt Randers die Tannenzweige ausrangierter Weihnachtsbäume, um mit ihnen die für die Uferbefestigung bestimmten Faschinenzäune auszufüllen. Mit einem so großen Erfolg, dass nun auch die erste deutsche Küstengemeinde dem Beispiel folgte.

Die Verwaltung der jütländischen Stadt Randers, nördlich von Aarhus gelegen, kam vor einigen Jahren auf eine ganz besonders Idee. Sie fragte sich, was man mit den jedes Jahr ausgedienten Weihnachtsbäumen Sinnvolles anfangen könnte. Sie rief daraufhin die Bevölkerung auf, die gebrauchten Weihnachtsbäume nach den Festtagen an Sammelstellen innerhalb der Stadt abzugeben. Von dort wurden sie von der Stadt aber nicht einfach abgeholt und entsorgt. Vielmehr nutzte sie die Bäume fortan, um aus deren Tannenzweigen die Faschinenzäune für die Uferbefestigung der heimischen Küste aufzufüllen.

Das natürliche Bau(m)material hat viele Vorteile

Normalerweise wurden bis dahin die wenigen Faschinenzäune (lat. fascius = Bündel) entlang der Küste bei Randers aus Reisig von (zumeist) Laubbäumen und Kiefern aufgefüllt. Für den Großteil der Uferbefestigung wurden allerdings Steine oder Beton verbaut – so wie fast überall in den Küstengebieten der Nordsee. Mittlerweile kommen in Randers jährlich rund 25.000 abgegebene Weihnachtsbäume zusammen. Mithilfe riesiger Nadeln werden die abgetrennten Tannenzweige mit Rödeldraht festgezurrt. Mit den Tannenzweigen der Weihnachtsbäume können mindestens fünf Kilometer Fjordufer befestigt bzw. ausgebessert werden. Die Methode hat viele Vorteile: Erstens sparen die Dänen die Entsorgung der gebrauchten Weihnachtsbäume sowie die Beschaffung anderer Faschinenmaterialien aus dem Binnenland ein. Zweitens gelang ihnen somit ein noch effektiverer Küstenschutz, da die natürlichen Uferbefestigungen auch gleichzeitig den Sand besser zurückhalten als Beton und Steinverbauungen. Drittens schafft man mit den Faschinen eine natürliche Rückzugsmöglichkeit für Fische und maritimes Kleingetier. Viertens kann die Stadt Randers mit den kostenlosen Tannenzweigen viel längere Küstenabschnitte ökologisch vertretbar sichern als es zuvor mit dem eingekauften Reisig der Fall gewesen ist.

Gute Erfahrungen mit Tannengrün auch in Eckernförde

Eine gute Idee also, und daher verwundert es, dass bislang nur wenige andere Küstengemeinden dem Beispiel von Randers gefolgt sind. Dazu gehört die schleswig-holsteinische Stadt Eckernförde. Erste Erfahrung mit Weihnachtsbaumzweigen als Füllmaterial für Faschinenzäune hatte die Stadt an der Ostsee bereits während der Schneekatastrophe 1978/79 gemacht, als ausgediente Weihnachtsbäume in Eckernförde ersatzweise als Füllmaterial für den Faschinenzaun, der die Strandpromenade vor Sand und Überspülung schützen sollte, verwendet wurden. Heute nutzt man erneut die ausrangierten Weihnachtsbäume aus den Privathaushalten und dem öffentlichen Raum. Mit gutem Erfolg, denn die Tannenzweige zeigen sich gegenüber Wind und Wetter eindeutig robuster als der vorher genutzte Reisig, sodass nach jedem Winter deutlich weniger zusätzliches Füllmaterial nachgefüllt werden muss als in den Jahren vor der Umstellung auf Weihnachtsbäume.